#5 Patientensicherheit beginnt nicht im Kopf, sondern im Herzen
Shownotes
Wie entsteht echte Patientensicherheit – durch Prozesse, Technik oder Haltung? In dieser Folge sprechen wir mit Prof. Dr. Reinhard Strametz, einem der wenigen Professoren für Patientensicherheit und Gesundheitsökonomie in Deutschland. Nach seiner Zeit als Anästhesist studierte er zusätzlich Wirtschaftswissenschaften und verbindet heute klinische Erfahrung mit ökonomischem und systemischem Denken.
Wir sprechen über seinen Werdegang und darüber, warum er überzeugt ist, dass Patientensicherheit früh in der Ausbildung verankert sein muss. Während in der Luft- und Raumfahrt zuerst Kompetenzen nachgewiesen werden müssen, bevor Menschen Verantwortung übernehmen, dürfen Medizinstudierende in Deutschland oft noch am Patienten arbeiten, ohne dass grundlegende Fähigkeiten überprüft wurden.
Für Prof. Strametz spielen Einarbeitungskonzepte und Haltung eine entscheidende Rolle. Seine Formel: Patientensicherheit besteht zu 80 % aus Kultur und zu 20 % aus Wissen. Es geht um das Verhalten in den Momenten, in denen „nachts um drei niemand zuschaut“ – denn dort zeigt sich, ob Sicherheitskultur wirklich verinnerlicht wurde.
Wir werfen außerdem einen Blick auf die strukturellen Herausforderungen:
Laut OECD entfallen in Deutschland jedes Jahr rund 13 % der gesamten Gesundheitsausgaben – etwa 58 bis 65 Milliarden Euro – auf die Folgen unsicherer Patientenversorgung. Dazu gehören vermeidbare Komplikationen, intensivpflichtige Zwischenfälle oder Schadenersatzleistungen. Ein weiterer alarmierender Punkt: Jede zehnte stationäre Einweisung erfolgt, weil Patient*innen zu Hause ihre Medikamente falsch einnehmen – ein Problem, das laut Prof. Strametz vor allem auf mangelnde Schulung zurückzuführen ist.
Im Gespräch wird klar: Viele Risiken hängen nicht an fehlender Technik, sondern an fehlenden Standards, mangelnder Kommunikation und einer Kultur, die Sicherheit nicht durchgängig priorisiert. Die moderne Medizin ist hochwirksam – und damit auch risikoreicher. Genau deshalb braucht es klare Werte, praxistaugliche Einarbeitung und Ausbildung, die Haltung vermittelt.
Eine inspirierende Folge über Verantwortung, Kultur und die Frage, wie sichere Medizin aussehen kann, wenn wir anfangen, Patientensicherheit wirklich vorzuleben – und nicht nur zu lehren.
Transkript anzeigen
00:00:07: Dann freut mich sehr, uns alle heute hier begrüßen zu dürfen.
00:00:09: zur nächsten Folge von unserem Podcast Clock Talk zwischen Herzhektik und Hygiene.
00:00:15: Und ich oder wir freuen uns glaube ich sehr dass Sie heute hier sind.
00:00:18: bei uns Herr Stramitz Wir haben eben noch drüber gesprochen.
00:00:21: bevor sie sich hergesetzt haben konnten wir noch ein bisschen Smalltalk halten und die sind so viel unterwegs.
00:00:27: jetzt haben sie den Weg zu uns nach Gommersbach gefunden.
00:00:30: Ja, freu mich sehr, dass ich hier bin.
00:00:31: Herzlichen Dank für die Einladung!
00:00:32: Wir
00:00:33: freuen uns wirklich.
00:00:33: Auch Gummarspare ist immer ein Reisewert.
00:00:34: Ja absolut!
00:00:39: Der Vollständigkeit halber möchte ich aber einmal ganz kurz auf Ihren Titel eingehen denn das habe ich mir extra aufgeschrieben.
00:00:44: sie sind ja eigentlich der Professor Doktor Mediziner eh Habilitatus Diplomkaufmann Stramitz.
00:00:52: Also Ihre Visitenkarte ist eigentlich eine Dienerviersite.
00:00:55: Ja,
00:00:55: im Querformat wird es langsam problematisch.
00:00:58: Nein alles gut!
00:00:59: Das wäre der Wahnsinn.
00:01:00: aber für Sie ist das in Ordnung wenn wir einfach nur beim Herrn bleiben heute?
00:01:04: Auf jeden Fall.
00:01:05: Prima Ich musste das tatsächlich mal googeln.
00:01:07: also Dr.
00:01:08: Metis klar kennen die meisten Doktor der Medizin und Habilitator bedeutet anerkannte Lehrbefähigung für Forschung und Lehre an einer Hochschule.
00:01:17: Das heißt dass machen sie auch noch.
00:01:18: da gehen wir gleich ein bisschen drauf ein.
00:01:21: Ich würde für alle, die sie nicht kennen gerne ein bisschen was über Sie erzählen.
00:01:25: Sie dürfen mich gerne jederzeit unterbrechen und hinzufügen oder korrigieren.
00:01:30: Sie sind Leiter des Wiesbaden Institute for Healthcare Economics and Patient Safety Und weil wir so auf Abkürzungen stehen ist es das wie Help?
00:01:38: Genau!
00:01:39: Die Abkurzung ist auch nicht ganz zufällig gewählt.
00:01:42: Nein habe ich mir direkt gedacht Super.
00:01:46: Und außerdem haben sie die Professur für Patientensicherheit an der Hochschule Rhein-Main und in der Wiesbaden Business School.
00:01:52: Und dann habe ich mir ihre Vita heute morgen mal angesehen, ich hatte erst einen kleinen Spickzettel und dann hab' ich aber doch die Dienaphäe-Seite tatsächlich ausgepackt!
00:02:01: Sie haben angefangen mit humanen Medizin, haben das studiert und haben irgendwann auch den Facharzt für Anesthesiologie gemacht, haben außerdem noch ein Studium in den Wirtschaftswissenschaften... Waren längere Zeit der ärztliche Leiter der Stabstelle für Qualitätsmanagement, des Vorstandes des Universitätsklinikum Frankfurt.
00:02:20: Und seit Jahrzehntausend und fünfzehn unterrichten sie den Studiengang Gesundheitsökonomie in Vollzeit.
00:02:26: Das heißt ganz blöd gefragt, seitdem sind Sie auch nicht mehr als praktizierender Arzt tätig,
00:02:31: richtig?
00:02:31: Ja genau gesagt seit.
00:02:33: Ich habe damals mein Stethoskop an den Nagel gehängt.
00:02:35: ich war dann in Teilzeit noch ärztlicher Leiter dieser Stabstelle und in Teil Zeit schon im Aufbau dieses Studiegangs beschäftigt.
00:02:41: Im Jahr ist dieser Studiengang Gesundheitsökonomie ins Leben gerufen worden und ich war einer von zwei Professoren die das quasi am weißen Blatt Papier von Grund auf aufgezogen haben, eben vielleicht auch ganz gut mit der Doppelqualifikation einerseits eben klinisch erfahren zu sein und andererseits aber eben auch auf die dunkle Seite der Macht gehen zu können.
00:03:00: Also auch als Lykonomen entsprechend argumentieren zu
00:03:02: können.".
00:03:03: Ja jetzt muss ich direkt mal eine ganz persönliche Frage stellen.
00:03:06: wenn Sie sich damals bewusst für das Medizinstudium entschieden haben und gesagt haben Ich möchte Arzt werden was hat sie dazu bewogen zu sagen ne?
00:03:14: Ich gehe jetzt in die Lehre, in die Forschung und möchte mich gerne mit Patientensicherheit befassen.
00:03:19: Also Patientensicherheit hat mich schon relativ früh bewegt.
00:03:22: Ich habe mich in meiner medizinischen Doktorarbeit mit dem Qualitätsmanagement-Virus infiziert, nachhaltig und da ist es ja nicht sehr weit.
00:03:28: dann auch zum klinischen Risikomanagement zur Patientensicherheit.
00:03:31: Und ich hab sehr gerne als klinisch tätige Anesthesist gearbeitet mit allem was die Universitäre maximal Medizin zu bieten hatte.
00:03:38: Als ich dann entsprechend diese Chance bekommen habe, habe ich mir überlegt wenn ich es schaffe Gesundheitsökonominnen beizubringen, dass ein Krankenhaus ein Krankenhause ist und keine Wurstfabrik.
00:03:49: Vielleicht rette ich damit sogar mehr Menschenleben weil natürlich der Multiplikationseffekt viel größer ist.
00:03:54: Weil die Studierenden, die bei uns im Jahr zwei Tausend Dreizehn angefangen haben sind jetzt beispielsweise schon in der Position Geschäftsführerin und Geschäfts-Führer zu sein Und das ist natürlich eine ganz wichtige Position für Patientensicherheit, weil da geht es eben auch darum die richtigen Prioritäten im Haus zu setzen und die richtungen Investitionen in Patienten Sicherheit zu führen.
00:04:13: Die Leute, die wir ausbilden sind alles keine Sozialromantiker.
00:04:16: Aber die wissen zum Beispiel wenn der Händedesinfektionsmittelverbrauch zurückgeht und man damit erstmal auf den ersten Blick kosten spart dann ist das kein gutes Zeichen weder ökonomisch noch medizinisch Und da ab dem erster Semester positiv wirken zu können.
00:04:29: Das ist eine sehr erfüllende Tätigkeit Und ich finde, das ist auch nach wie vor eine ärztliche Tätigkeit.
00:04:35: Auch wenn ich klinisch oder präklinisch nur noch tätig bin im Flugzeug oder im Zug.
00:04:40: Wenn kein anderer Arzt dann will.
00:04:43: Okay ja schön cool klingt auch als macht für mich definitiv Sinn dass so von oben weil ich denke auch wenn jetzt jemand von oben direkt sagt oder achten wir drauf Das ist ne Herzensangelegenheit brennt man da wahrscheinlich offene Türen ein.
00:04:56: Die Treppe
00:04:57: wird von oben gekehrt.
00:04:58: Ja,
00:04:58: absolut!
00:04:59: Der Fisch liegt vorm Kopf das kann mir eben so machen.
00:05:01: Die treppe finde ich irgendwie das Geruch nicht, finde ich die Treppe irgendwie das bessere Beispiel.
00:05:05: aber dass sie Treppe vom oben gekehrt wird, das kriegen wir alle unterschreiben.
00:05:09: doch
00:05:10: das passt unheimlich gut.
00:05:12: Sie sind in diversen Gremien.
00:05:15: Wir haben eben darüber gesprochen, waren jetzt kürzlich noch in Sao Paulo und sind ein bisschen geschockt von den Temperaturen hier.
00:05:21: Ja die Anpassung hat jetzt langsam stattgefunden aber es ist schon der deutsche Herbst im Vergleich zum brasilianischen Frühling.
00:05:27: Das macht keinen Spaß ne?
00:05:32: Es gibt eine unheimlich lange Liste an Forschungsprojekten die sie publiziert haben Studien gerade so zu diesem Thema Second Victim wo wir nachher auch drauf eingehen wollen.
00:05:42: Ich könnte jetzt noch eine Stunde so weiter machen, aber ich glaube kurz und knackig das war das Wichtigste.
00:05:48: Zusammenfassend
00:05:49: kann man auch sagen er kennt sich mit Patientensicherheit aus.
00:05:51: Genau
00:05:53: von beiden Seiten.
00:05:56: Ganz genau ja wie gesagt schön dass sie heute bei uns sind.
00:06:02: Vielleicht frage ich nochmal eine Stelle vorher.
00:06:03: Sie haben sich dann irgendwann entschieden in Richtung Qualitätsmanagement zu gehen?
00:06:07: Ist das jetzt was generell beim Anastasisten naheliegt, oder gab es ein Schlüsselerlebnis?
00:06:11: Oder kam das einfach daher geflattert.
00:06:14: Also ich habe bereits in meiner vorklinischen Studium, wir haben dritten Semester zusammen mit medizinischen Kommilitonen überlegt... Mensch, wir werden nachher relativ viele Entscheidungen treffen.
00:06:22: Als Arzt trifft man sehr viel Entscheidungen die sowohl für den Patienten gravierende Folgen haben können als auch natürlich ökonomisch graviernde Folgen.
00:06:30: Ich habe auf einer Intensivstation gearbeitet und wenn ich dort einfach mal Gerinnungsfaktoren in einen Patienten reinschütte dann kann ich den Wert eines Sportwagens an einem Vormittag in ein Patient versenken ohne dass sich überhaupt dafür eine Unterschrift leisten muss irgendjemanden Rücksprache halten muss.
00:06:44: also ich werde sehr viele Entscheidung treffen egal am welcher Ebene Aber ich werde in meinem Studium darauf überhaupt nicht vorbereitet.
00:06:52: Das heißt Entscheidungstheorie oder wie man auch Personal führt zum Beispiel auf einer Station, weil man ist natürlich dann auch in gewisser Weise personalführungsverantwortlich oder man ist dann irgendwann in einem Schockraumteam-Lieder und muss dann aber wissen, wie man diese Ressourcen irgendwie richtig händelt.
00:07:09: das lernen wir eben im Medizinstudium nicht so dass wir uns damals überlegt haben an der Fern-Universität Hagen, also ganz in der Nähe von Gummersbach.
00:07:16: Einzige Möglichkeit damals BWL noch neben dem Medizinstudium zu studieren... Was man halt so macht?
00:07:21: Die einen
00:07:22: den Kennern und die anderen machen Sport und sie machen halt non-sorgführende.
00:07:25: Ja, wir waren anscheinend nicht ganz ausgelastet, nein aber es hat auch ein bisschen länger gedauert als in Regelstudienzeit.
00:07:31: das zwei Studium ehrlicherweise.
00:07:32: Aber es war sehr hilfreich weil natürlich meine Schwerpunktthemen Personalführung Organisationen Und Dienstleistungsmanagement was ist ja letzten Endes auch in der Anästhesie ist muss man sagen Dienstleistung, eine ganz wichtige aber eben eine Dienstleistungen.
00:07:46: Das hat unglaublich geholfen und da war der Weg zum Qualitätsmanagement ein relativ naheliegender noch dort.
00:07:52: ich habe dann entsprechend zum Beispiel meine Diplomarbeit in BWL über ein Thema geschrieben indem wir unsere Prämidikationsambulanz in unserer Klinik auch verbessert haben.
00:08:00: also mir war immer wichtig dass die Forschung, die wir machen nicht nur für den Elfenbeinturm ist sondern das was einen konkreten praktischen Nutzen hat von dem im Idealfall eben viele Patientinnen und Patienten profitieren.
00:08:12: Und insofern war dann ein Weg an eine Hochschulüfe angewandte Wissenschaften auch nicht weit weil da geht es ja letzten Endes drum alles was wir machen soll auch in irgendeiner Form einen praktischen Output haben.
00:08:23: Für mich ist es immer am besten wenn ich sehe Samen, die wir irgendwie geschmissen haben und aus irgendwelchen Pflänzchen, die entstanden sind.
00:08:31: Dass daraus wirklich dann Bäume werden, die Schatten spenden und dass daraus auch Projekte werden in denen Patientinnen und Patienten sicherer versorgt werden.
00:08:39: Und einige dieser Erfolge durften mir schon feiern.
00:08:41: und gerade eben auch mit dem Bereich Second Victim sind wir jetzt im Bereich angekommen wo es nicht nur um die Patientensicherheit geht – auch aber sondern eben auch um Mitarbeitersicherheit.
00:08:51: Weil wir sagen müssen, dass eine darf man niemals gegen das andere ausspielen.
00:08:55: ich kann Patientensicherheit nur haben wenn noch die Mitarbeiter sich erarbeiten können und umgekehrt.
00:09:00: Und diesen großen Bogen zu schlagen und da jetzt die Möglichkeit zu haben forschen zu können leeren zu können das ganze Wissen auch verbreiten zu können Anwendungsbeispiele auch evaluieren zu können mit großem Klinikverbünden Das ist tatsächlich ein Geschenk, das ich sehr gerne angenommen habe.
00:09:18: Ja, inspirierende und erfüllende Tätigkeit ist.
00:09:21: Schön schön zu hören!
00:09:22: Und Sie sind das es richtig einer der wenigen tatsächlich auch in Deutschland, der sich so intensiv mit diesem Thema beschäftigt?
00:09:29: Das lehrt forscht
00:09:30: etc.?
00:09:30: Also wir haben drei Professuren für Patientensicherheit.
00:09:33: momentan In Deutschland.
00:09:35: Ist eigentlich jetzt für den Außenstehenden ein bisschen unverständlich.
00:09:39: Man stelle sich vor Piloten Zugführer oder andere würden die Sicherheitstraining erst On the job, also so nach der zweitausendsten Flugstunde haben.
00:09:49: Bei uns ist es so dass sowas wie ärztliches Qualitätsmanagement und bei zärten Sicherheit die ärztliche Weiterbildung integriert ist Also in aller Regel Fachärztinnen und Fachärzten zugänglich ist aber nicht oder bestenfalls rudimentär im Studium Vorkommt.
00:10:04: das ist ja eigentlich für eine Disziplin wo's um Leben und Tod geht.
00:10:07: schon Es wird jetzt eine Vierteprofessur dennächst besetzt.
00:10:11: In Deutschland gibt es eine in Österreich, die tatsächlich besetzt worden ist.
00:10:14: In der Schweiz gibt's auch wenige, die sich damit hauptamtlich beschäftigen.
00:10:19: Ehrlicherweise muss man sagen das Thema ist so komplex dass eigentlich jede medizinische Fakultät eine solche Professor verdient hätte und ich bin ja an einer wirtschaftswissenschaftlichen Hochschule tätig also gar nicht an einer Medizinischen.
00:10:30: Es gibt nur eine staatliche Universität in Deutschland, die eine Professor für Patientensicherheit eingerichtet hat Und das ist sicherlich noch ausprofähig.
00:10:38: Absolut, aber das sind ja dann... Im Prinzip, die Abgänger von Ihnen das könnten dann ihre potenziellen Nachfolger sein.
00:10:44: Richtig?
00:10:45: Im besten Fall!
00:10:46: Meine wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen tatsächlich sind auf dem besten Weg mich zu überholen also im gleichen Zeitraum sozusagen indem ich publiziert habe mehr Publikationen so haben als ich.
00:10:56: und ich muss ganz ehrlich sagen Ich finde es wunderbar wenn ich sehe dass man sozusagen Leute soweit pushen kann dass sie sogar noch weiter bringen als man selbst.
00:11:02: und das wären sicherlich zwei von aber mittlerweile bundesweit vielen ja mein deutschsprachiges Patienten-Sicherheits Forschungsnetzwerke gegründet, in denen viele Forscherinnen und Forscher egal ob in Nord-Südost oder West mittlerweile beteiligt sind.
00:11:15: Und also das Argument ist gäbe nicht genug Experten um solche Lehrstühle zu besetzen.
00:11:20: Das kann man gleich mal außen vorlassen.
00:11:22: da haben wir mittlerweile in Deutschland so viel Expertise aufgebaut in den letzten zwanzig Jahren dass man ehrlicherweise sagen muss die Zeit ist langsam reif dafür dass das auch als Fach allen Medizin Studierenden bevor sie das erste Mal am Patientenhand anlegen auch vermittelt wird weil darum geht es ja letzten Endes den ersten Fehler in meiner medizinischen Ausbildung der Patientenschaden verursachen kann.
00:11:43: Den kann ich ja schon während meines Studiums zum Beispiel in der Formulatur machen, also bestimmte Skills sollten Medizinstudierende eigentlich schon haben bevor sie das erste Mal am Patienten sind.
00:11:53: Eigentlich streng genommen schon bevor Sie ihr Pflegepraktikum machen und wir haben dazu eine Studie mal gemacht tatsächlich weil unsere Studierenden mussten mal pflegepaktikum machen zwei Monate.
00:12:02: es war sehr sehr heilsam für die zu sehen wie wirklich Patientenversorgung an der Basis läuft.
00:12:07: Die kam mit einem völlig anderen Blick auf das Gesundheitswesen zurück und wir haben die vorher entsprechend trainiert, wie man sich Hände disinfiziert, wie mein Herzlungen-Wiederbelebung macht, wie Man sich vor Nadelstichverletzungen schützt Wie man sich entsprechend auch Handschuhe, Stil anzieht oder auszieht also dass man sozusagen Infektionsrisiken für den Patienten vermeidet Und wie man Feuer löscht zum Beispiel auch tatsächlich zwei von hundert mussten Feuer löchen Sieben von hundert waren bei einer Herzlung Wiederbelebung dabei.
00:12:35: Statistisch gesehen und viele, viele Leute haben Dinge gemacht die sie eigentlich vielleicht gar nicht hätten machen sollen in ihrer praktikanten Zeit Die wir aber sozusagen auf die wir sie vorbereitet haben.
00:12:46: Und wir haben dann auch gefragt habt ihr denn irgendeine Einweisungen eine Schulung bekommen als er als Praktikanter so Aufstattion gekommen soll?
00:12:53: und da haben es Neunsebzig Prozent gesagt ne uns hat keiner was gesagt Da sind die Kassaks Anziehen und los geht's.
00:12:59: Und das war sozusagen die Einarbeitung, auch da wiederum wenn man das mit anderen Berufen vergleicht muss man ehrlicherweise sagen ist dann noch sehr viel Luft nach oben Denn in anderen Berufen kommen die Leute das erste Mal in irgendeiner Art von Verantwortung, wenn sie eine Ausbildung oder Qualifikation haben.
00:13:16: Und eine Frage, die man in der Patientensicherheit immer stellen muss – auch bei zum Beispiel Pflegeschülern und Medizinstudierenden nicht nur bei meinen Studierenden ist – wie können wir gewährleisten?
00:13:24: Dass die Leute jetzt in Ausbildungen sind und natürlich praktische Erfahrungen sammeln müssen….
00:13:29: Wie können wir Gewährleistung?
00:13:30: Dass diese schon die wichtigsten Sicherheitskills draufhaben, dass durch die Ausbildung keine Patientinnen und Patienten übermäßigen Risiko ausgesetzt werden.
00:13:39: Das ist ja eine Frage, die ich mir nicht nur als Arzt stelle sondern auch als Patient oder als Angehöriger stelle wenn irgendeiner meiner Liebsten entsprechend in eine medizinische Behandlung muss und das sollte eigentlich auch der Anspruch sein dem wir sowohl an uns an unsere Organisationen aber auch an die Behandlungen entsprechend haben.
00:13:59: Und das sind Fragen.
00:14:00: da sind wir wieder bei der Existenzökonomie.
00:14:03: Dafür brauch es Ressourcen, dafür braucht es Zeit.
00:14:05: Dafür brauchts Prioritäten und dafür muss es ganz klare Einarbeitungskonzepte geben.
00:14:09: wo man wirklich sagt bevor du diese Checkliste nicht abgearbeitet hast Bevor du diese Kompetenz mir nicht gegenüber nachgewiesen hast Das reicht ja dass du mir einmal zeigst wie man sich Hände disinfiziert und wenn das alles gut
00:14:19: ist
00:14:20: Dann ist es ja gut anstatt zu sagen Kannste Hände desinfizieren?
00:14:24: Ja kann ich alles gut Ja Und dass man das wirklich einmal unter Beobachtung zeigt und dann sagen kann Gut der oder die kann das die Person kann ich jetzt sicher an den Patienten lassen.
00:14:35: Und wir sehen ja auch in diesen Fehlermeldesystemen, in diesem Zürstdatenbank immer wieder eben Risiken, die ihm passieren oder Fehler, die sich verwirklichen weil eben ungelernte oder wenig eingelernte Personen ohne Supervision Tätigkeiten machen für die sie formal noch nicht qualifiziert sind.
00:14:55: das ist eines einer der Bausteine im Bereich der Patientensicherheit und dass sind eben aber Maßnahmen Systemischen Maßnahmen, Einarbeitungskonzepten, Supervisionskonzepte tatsächlich eben beheben kann.
00:15:07: Aber Einarbeitungen ist zum Beispiel ein ganz großer Punkt, dass wir wegkommen von diesem Konzept C-Bondu und TeachBond.
00:15:14: also ich habe es einmal gemacht dann weiß ich vielleicht jetzt geht oder auch nicht?
00:15:18: Feedback hab' ich auch keins bekommen und dann sage ich demnächst wie er's machen soll.
00:15:21: wird schon passen und wird schon passes?
00:15:23: das ist für den Anästhesisten der möglicherweise die Letzte ist, der darüber entscheidet ob der Patient eine Prozedur überlebt oder nicht.
00:15:30: Wir sind ja diejenigen, die Menschen davor schützen dass sie andere mit Messern eingreifen.
00:15:35: Ist er letzten Endes so?
00:15:37: Schön gesagt!
00:15:39: Das ist für mich sozusagen kein akzeptables Sicherheitsniveau mehr.
00:15:42: also nicht in der Medizin speziell in der Akutmedizin.
00:15:45: dieses wird schon gut gehen.
00:15:47: oder was soll denn passieren?
00:15:48: das sind so Mindsets die sind sozusagen der Beginn einer Katastrophe und das ist eine Frage der Zeit.
00:15:54: Das kann
00:15:54: sehr oft im OP sein?
00:15:56: Nein, das gar nicht mal so sehr.
00:15:58: Ich glaube viele an den Sitzenden gehen noch ins QM weil wir letzten Endes also hier werden an dem Outcome gemessen des Outcomes der Patient die Operation gut übersteht und dass alles sozusagen glatt gelaufen ist.
00:16:08: es heißt Gute Anästhesisten haben große Kommunikationsfähigkeiten, weil sie ja mit wechselnden Teams, wechseln den chirurgischen Disziplinen auch wechselnde Charakteren die im OP sind alles in Ordnung ist.
00:16:20: Ja gut auskommen müssen und am Ende diejenigen sind die da versorgen müssen dass der Patient die okay bestanden hat im Aufwachraum ist und da möglichst schmerzfrei, möglichst ohne postoperative Übelkeit entsprechend sich darauf freuen kann wieder zu genesen.
00:16:37: Und dieses ergebnisorientierte Arbeiten, dieses streng interdisziplinäre Arbeiten als Anästhesist ohne meine Pflegekraft ich bin völlig aufgeschmissen.
00:16:46: also es geht nur im Team.
00:16:48: Das lernen wir sozusagen ab der ersten Sekunde in der Arbeit das es nur interprofessionell geht und nur über die Disziplinen hinweg.
00:16:55: Das ist sicherlich auch eine gute Voraussetzung, um nachher beispielsweise im Qualitätsmanagement oder im klinischen Risikomanagement gemeinsam Lösungen zu suchen.
00:17:03: Weil da ist es auch so, es gibt kein Gegeneinander sondern das muss ein Miteinander geben damit man gemeinsam an einem Strang und dann auch noch in die richtige Richtung zieht.
00:17:11: ansonsten führt das eben dazu dass wir vielleicht auf dem Papier irgendeine Arbeitsanweisung hinbekommen vielleicht auch irgend einen Zertifikat wenn der Auditor nicht genau hinguckt oder wir Glück haben aber dass es dann wirklich für Patientinnen und Patienten besser wird, das geht eben nur gemeinsam.
00:17:26: Und diese gemeinsame Arbeiten, das ist schon in der DNA von Anesthesistinnen und Anesthisisten drin.
00:17:32: Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass in dem Bereich Patientensicherheit sehr viele Menschen aus diesem Bereich tätig sind.
00:17:38: Also Anestheten ist eine große Berufsgruppe die Patientensichheit macht.
00:17:41: Pediatra ebenso.
00:17:44: Die ja auch nochmal ganz besondere Rahmenbedingungen haben.
00:17:46: als Pediater hat man ja häufig genug drei Patienten Nicht nur einen Patienten absolut.
00:17:52: Und auch da ist letztendlich das Kommunikation und Arbeiten mit den Patienten eben ganz, ganz wichtig.
00:18:00: Das schult auch glaube ich, dass sind auch so ein paar Basis Skills die einfach Schulen und die im Qualitätsmanagement gut aufgehoben sind.
00:18:08: Die Kombination aus Leuten, die wissen wie CoM funktioniert aber auch mal klinisch tätig waren und einfach wissen wir es sich anfühlt Auch wissen wie sich anfühlt, wenn es gut läuft.
00:18:17: Aber auch wissen wir, wie sich anfüllt, wenn's eben nicht gut läuft?
00:18:20: Das ist eben unbezahlbar und das ist auch nicht dadurch zu ersetzen dass irgendjemand ankommt und sagt naja wir müssen hier mal ein paar Prozesse optimieren weil das sind in der Regel nicht die Prozese die wichtig sind.
00:18:31: Es ist in der regel die Kultur
00:18:33: das
00:18:33: Mindset und die Kultur also auch das wie wir miteinander umgehen das kann unglaublich gut funktionieren und das kann teams unglaublich resilient also widerstandsfähig machen auch gegen widrige bedingungen.
00:18:45: Auch wenn es mal drunter und rüber geht oder, es kann eben aus sein dass der beste prozess der formale auf dem papier steht nicht wirkt und nicht greift wenn die kultur wenn das mindset dahinter einfach nicht stimmt.
00:18:57: und für mich ist ehrlicherweise patienten sicherheit zu achtzig prozent haltung und so zwanzig prozent irgendwas zu lernen was man machen muss.
00:19:05: und diese haltung Das ist eben mein Plädoyer, die müssten wir eigentlich zu Beginn unserer beruflichen Sozialisation also am Anfang der Pflegerausbildung.
00:19:13: Am Anfang der Hebammausbildung im Anfang der Rettungsdienst Ausbildung.
00:19:16: Im Anfang der medizinischen Ausbildung egal welchen Gesundheitsfach und Heilberuf wir sehen müssen wir das am Anfang eigentlich gleich haben.
00:19:23: ein Schlüsselerlebnis dass ich damals hatte war tatsächlich in meiner aller ersten Stunde Medizinstudium.
00:19:29: Ich saß da mit zweihundert dreiundachtzig anderen Medizinstudenten.
00:19:32: hoch motiviert habe also den Die TMS, diesen Medizinertest geschafft und die ZVS hat mich auch noch nach Frankfurt sozusagen gebracht.
00:19:40: Also den Ort meiner Wahl, weil ich ihn nachher gefragt habe warum denn in Frankfurt?
00:19:43: Aber ich bin ja Frankfurter!
00:19:45: Insofern war das klar dass ich nach Frankfurt will und dann saß ich da und hatte so jetzt geht's los Jetzt fangen wir an die Welt zu retten.
00:19:51: Und dort war ein ärztlicher Kollege der die allererste Stunde hielt und mir ist aus meinem Medizinstudium nicht mehr viel in Erinnerung.
00:19:57: Vieles ist emulös geworden oder einfach auch irgendwo abgespeichert wo es nicht so einfach anrufen kann.
00:20:02: Diese Stunde ist mir noch in Bedächtnis.
00:20:04: Das, was er mir als Allererstes gesagt hat und meinen anderen Kommilitonen war, versuchen Sie in Ihrem Leben so wenig Patienten wie möglich zu schädigen.
00:20:14: Und das ist jetzt nicht genau das, was ich eigentlich erwartet habe.
00:20:17: Also angeredet mit liebe Kolleginnen und Kollegen sind wir alle mal so zehn Zentimeter gewachsen für's Ego.
00:20:24: Aber versuchen sie in ihrem Leben so viele, so wenige Patienten, wie möglich zur Schädigung?
00:20:28: Da sind wir gleich mal fünfzehn Zentimeter wieder runter ... Und dann hat er uns dieses Konzept des Primum-Ninozäre erzählt.
00:20:33: Die Medizin hat dieses Prinzip ja schon seit vielen, vielen Jahrhunderten, wenn ich nach tausenden, grundsätzlich kann jeder medizinische Eingriff halt Risiken und jeder Patient kann aus einer Behandlung schlechter rauskommen als er vorher drin war.
00:20:47: Wenn wir uns überlegen statistisch gesehen vor hundertfünfzig Jahren, wenn sie ernsthaft krank waren, war es noch sicherer zu Hause zu bleiben als zum Arzt zu gehen?
00:20:54: Was hatten wir denn?
00:20:55: Wir hatten, sagen wir mal außer unserem Placebo-Effekt, wie wir versucht haben zu zelebrieren.
00:21:00: Wir hatten relativ wenig effektive Medikamente und Therapieverfahren.
00:21:05: Herzkatheteruntersuchungen oder Stens können wir seit dreißig Jahren erst wirklich serienmäßig legen.
00:21:12: Also das ist keine Errungenschaft die jetzt dreihundert Jahre alt ist.
00:21:14: Und so was wie Adalas irgendwie bei einer Selbstis ... Wir wissen heute dass es eher kontraproduktiv.
00:21:21: Oder bei der Anämie Adalass wenn man so ein bisschen gleich war.
00:21:24: Dann lass mal, glaub ich gerne so...
00:21:25: Ja, was man halt machen konnte sozusagen.
00:21:28: Das wird schon gut gehen!
00:21:30: Oder Quechsel bei Behandlung bei Syphilis oder so.
00:21:34: Hat möglicherweise ein bisschen geholfen aber die Nebenwirkungen waren vielleicht stärker.
00:21:37: also dass wir wirklich effektive Medizin machen können das ist erst in den letzten dreißig vierzig Jahren entstanden.
00:21:43: ja das Problem an der Sache ist früher war Medizin größtenteils harmlos und uneffektiv.
00:21:51: Heutzutage ist Medizin höchsteffektif, hat einen engen therapeutischen Rahmen und hat natürlich auch gravierende Nebenwirkungen, also dadurch dass sie so stark wirken kann, auch potenziell gefährlich geworden.
00:22:06: Wenn ich Medikamente verwechseln, wenn ich Chemotherapeutiker verwechsel die ich vor hundert Jahren noch gar nicht hatte dann kann eine Medikamentenverwechslung bereits tödlich sein.
00:22:15: Da ist es kein Argument gegen Chemotherapeutika.
00:22:18: Aber wir haben mittlerweile die Möglichkeit, so hohe Risiken einzugehen, dass damit aber auch wenn ein Fehler passiert was schief laufen kann.
00:22:27: Meine leichteste Patientin als Narkosearzt damals waren vierhundert zweiundneunzig Gramm.
00:22:34: Die Patientin hätte in meinen Handteller reingepasst, wenn ich mich getraut hätte sie anzuheben.
00:22:40: Er hat die Prozeduren und ihre frühgeborenen Zeit gut überstanden, soweit ich es nachverfolgen konnte.
00:22:45: Ohne Hirnblutung
00:22:46: usw.,
00:22:47: sie wird heute ein normales Leben führen.
00:22:49: Es gibt heute noch Länder in ... Wir haben einen Patienten-Sicherheitsprojekt in Malawi zum Beispiel, da wären Kinder unter eine Tausend Fünfhundert Gramm Geburtsgewicht nicht überlebensfähig weil das mit dem Management der Ernährungen allen anderen nicht klappt.
00:22:59: also wir haben heute Ein Maß erreicht wo wir wirklich auch Höchstrisiko Eingriffe durchführen können Die vorher undenkbar waren.
00:23:08: Genauso beispielsweise die Anästhesie, mein Berufsfeld.
00:23:11: Bevor es die Anesthesisten gab, bevor man im Etherdom in Boston die erste Narkose erfolgreich durchgeführt hat bei einer Ohren-Operation konnte man ja nur begrenzt entsprechend chirurgisch tätig sein weil ohne Narkosen ... Bleib's
00:23:25: nicht still liegen?
00:23:25: Ja
00:23:26: wie gesagt ist das ... War schnell
00:23:28: sein.
00:23:29: Ja und es war alles andere als
00:23:31: gut.
00:23:31: Ich glaube so mal Alexander hatte irgendwie einen drei Minuten Bein amputieren können.
00:23:34: Ja aber ganz ehrlich das möchte man sich heute gar nicht mehr vorstellen.
00:23:38: Und insofern kann man sagen, ist auch Anästhesie eines der größten Geschenke nicht nur für die Chirurgen sondern auch für den Patienten.
00:23:43: Weil wir heute eben Dinge machen können, die ohne Anäesthesie undenkbar waren und so ist.
00:23:48: jeder medizinische Fortschritt bringt uns ein Stückchen weiter bedeutet aber auch dass wir neue Risiken natürlich eingehen und insgesamt muss man sagen das Gesundheitswesen ist heute wenn wir es mit anderen Branchen vergleichen das mit Abstand komplexeste überhaupt.
00:24:05: Wir werden ja gerne mal so mit der Luftfahrt verglichen.
00:24:07: Also ich habe einmal in einem Trainingshandbuch für Piloten einer großen deutschen Airline, der Namen ich jetzt nicht nennen werde, hab' ich gelesen Ja wenn wir so sicher wären wie die Intensivmedizin bei der den zehn noch minus drei Fällen irgendwas schief geht dann würden wir fünfhunderttausend Tote am Boden und in den Richterwirtschaften pro Jahr.
00:24:26: Dann sage ich das stimmt.
00:24:27: aber ganz ehrlich Wenn zu uns jemand in die Notaufnahme kommt da nur weil das rechte Triebwerk brennt Also während der Pilot sagt, hier flackert eine LED, safe the first.
00:24:36: Ich starte dieses Flugzeug nicht und ich bin dankbar dafür dass er das nicht tut.
00:24:39: in der zivilen Luftfahrt alles gut fangen wir erst beim rechten Triebwerksbrand überhaupt an weil sonst gibt es ja gar keinen Grund in die Notaufnahme zu kommen und wir müssen trotzdem starten.
00:24:48: also es ist ja nicht möglich dass man sagen kann das tut mir jetzt aber leid sie sind so krank kommen Sie morgen wieder, wenn es mir viel zu riskant ist.
00:24:57: Man muss ja ehrlich aber sagen die Medizin war lange Zeit so das Ärzte auch abgelehnt haben zu behandeln weil sie gesagt haben ist mir viel zur riskant.
00:25:04: gehen wir mal drei tausend Jahre zurück.
00:25:05: erste gesetzes sammlung die wir kennen der kurdex-hamorapi quasi so dass bürgerliche gesetzbuch persiens.
00:25:10: auf einer stelle sind ganz ganz viele gesetze geschrieben worden stand zum beispiel sowas drauf wie Ja wenn ein arzt einen fehler macht und dadurch verliert ein patient die rechte hand dann soll der arzt auch die rechten hand verlieren Also Arzthaftung sozusagen oder verliert der Patient sein Leben, dann soll der Arzt das ebenfalls verlieren.
00:25:33: Und das fühlte dazu, dass es nur einen einzigen Facharzt gab, nämlich den Facharz für leicht behandelbare Krankheiten und dass sowas wie Palliativmedizin zum Beispiel vollkommen abgelehnt worden ist weil das wäre ja einem Himmelfahrtskommando gleich gekommen.
00:25:47: Das ist z.B.
00:25:47: so eine wichtige Erkenntnis.
00:25:49: Eine Qualität entsteht aus einer inneren Haltung, aus Wertüberzeugung.
00:25:53: Qualität entsteht nicht aufgrund von Sanktionen.
00:25:56: Das heißt wer immer glaubt mit nur genug Excel-Tabellen und nur genug Paragrafen werden wir ein System sicher und zuverlässig machen der irrt.
00:26:03: meiner Meinung nach Wir brauchen Regeln, wir brauchen Checklisten, wir brauchen auch Gesetze Aber das ist nun die notwendige und nicht die hinreichende Bedingungen.
00:26:12: Auf diesem Boden gemeinsamer Regeln und gemeinsame Abmachung muss sich eine Kultur entwickeln indem man sagt Ich mache das auch.
00:26:20: Das ist eine schöne Definition von Sicherheitskultur, die ich mal von der Health Foundation gelesen habe.
00:26:24: Also ich hab selbst einmal einer tollen Sicherheits-Kulturdefektion gebastelt, die sieben Zeilen lang ... Könnte jetzt nicht auswendig erzählen!
00:26:32: Wissenschaftlich natürlich total korrekt aber eine viel prägnantere für Sicherheitsskultur ist einfach Sicherheitsgultur ist was Sie machen wenn niemand zugeschaut.
00:26:40: Also das infiziere ich mir nach zum Dreiehende Wenn da garantiert niemand auf dem Flur ist der mich irgendwie überwacht.
00:26:45: mach ich diese Checkliste dann auch wenn kein Auditor da ist?
00:26:48: Oder mache ich das nur, um irgendwie mehr Schein als sein zu produzieren.
00:26:54: Und auch so eine Checkliste kann man halt und kann da hingehen, kann die abhaken und unterschreiben noch bevor die Operation stattgefunden hat oder man kann sie wirklich so machen wie es gedacht ist dass sich alle mal kurz ja zwanzig Sekunden Zeit nehmen und sagen richtiger Patient kennen wir uns alle.
00:27:07: wenn nicht ist hier irgendjemand neu dann bitte vorstellen dass man auch im Notfall wissen wie man ansprechen kann.
00:27:13: zum Beispiel sind ganz praktische Dinge hat der Patient seine Antibiose bekommen.
00:27:16: Bevor wir da reinschneiden, haben wir die Prothese auch da, die der Patient bekommen soll.
00:27:20: Das ist ja auch ein ganz wichtiger Punkt zum Beispiel.
00:27:22: Ja also das ist ein ganz einfacher Punkt letztendlich.
00:27:27: Es kostet überhaupt kein Geld.
00:27:28: und ganz ehrlich als Patient wenn ich da mit Anspruch auf Knieprothese oder Hüftprotheselik fände ich das schon irgendwie toll, wenn man das klärt bevor man schneidet.
00:27:39: Das
00:27:39: richtige Gelenk schon raus?
00:27:40: Ja
00:27:41: alles schon vorgekommen letzten Endes.
00:27:43: dass man dann im Prinzip sozusagen irgendwas anderes einbauen musste was nicht gepasst hat
00:27:47: oder eins größer braucht uns dann nicht
00:27:49: daran ja eben.
00:27:49: und und dass man sagen wird das sind aber alles Dinge die dürfen eigentlich überraschen so viel Risiko-Menschmen brauchen wir dass man das mal antizipieren muss.
00:27:57: man sagen muss okay wenn ich da irgendwas was in der Einzwanziger Prothese einbaut aber auch, wenn es nicht passt.
00:28:03: Und wenn ich die nicht da habe, dann sollte ich besser diese OP verschieben?
00:28:06: Dann sollte das Flugzeug nicht starten.
00:28:08: so gesehen und das sind aber eben alles Dinge Die kann man gar nicht so sehr im Detail mit gesetzten Regeln Es gibt ja immer in deutschland-deutig sagen wir brauchen nur noch mehr Gesetze und dann ist alles gut.
00:28:18: Das ist etwas was eben in die Ausbildung rein muss und das war aber auch letzten Endes.
00:28:22: das muss nicht in den Kopf rein das muss hier rein das Muss ins Herz rein dass man sagt Wir wollen das auch wirklich machen und das ist die Art wie wir Dinge hier tun.
00:28:30: Und wenn man von mir verlangt, irgendwas anderes zu machen, dann muss er als Anflug kommen.
00:28:34: Nein!
00:28:35: So machen wir das hier nicht.
00:28:38: Mir wurde beigebracht und das mache ich auch nachts um drei oder im Schlaf, wenn ich muss, dass bevor ich eine Bluttransfusion anhänge, ich beim Patienten ein Bettzeit-Test zu machen habe, um zu gucken.
00:28:48: ist es wirklich die richtige Blutgruppe.
00:28:50: Das ist nicht verhandelbar.
00:28:52: unter keinen Umständen dieses Mindset und diese meinsame Set an Werten letzten Endes, die auch egal wie hektisch es gerade ist oder egal wie frustriert man vielleicht gerade ist nicht verhandelbar sind.
00:29:06: Das ist letzten Ende dieses Minimal-Set an Perzettensicherheit was wir brauchen.
00:29:11: Und wir müssen ehrlicherweise sagen Wir haben jetzt in den letzten zwanzig, fünfundzwanzig Jahren ganz viel geforscht.
00:29:17: Auch dazu beziehungsweise Es ist auch in anderen Ländern geforst worden und überall da wo man uns nicht geglaubt hat haben wir für Deutschland gezeigt Überraschung in Deutschland ist es genauso wie überall auf der Welt, weil das sind menschliche Phänomene.
00:29:29: Das hat gar nichts mit dem Gesundheitssystem an sich zu tun ob viel oder wenig Geld reinfließt dass wir einfach sagen müssen okay Wir haben jetzt eine unglaublich große Erkenntnis gewonnen Wie's denn eigentlich geht?
00:29:41: Was das Problemes isst!
00:29:42: Wir haben ein Riesenumsetzungsproblem das auch wirklich zu implementieren und da hilft es vielleicht auch so'n bisschen Obwohl ich ja sehr anwendungsorientiert bin mal ein bisschen auf die Zahlen zu gucken.
00:29:53: also Es wird ja immer so vorgeworfen, ich hab selber Diskussionen geführt.
00:29:57: Ja das kostet ja alles so viel Geld.
00:29:59: So ein Patienten-Sicherheitsarmbahn wo der Name draufsteht was man auch als All-Inclusive-Bändchen irgendwie auf den Kreuzhalschiff bekommt oder so.
00:30:08: Das kennt ja auch Leute aus anderen Kontexten.
00:30:10: Da habe ich Diskussion geführt wer soll denn das bezahlen?
00:30:14: Also kostet im Einkauf irgendwas um die sechs bis zehn Cent vielleicht zwölf Cent pro Patient.
00:30:20: Wenn man sich mal anguckt, was man mit Patientensicherheit allein in Deutschland sparen könnte und man guckt sich einfach mal den OECD-Bericht an die Economics of Patient Safety.
00:30:29: Die Ökonomie der Patientensichheit dann sieht man dass wir etwa dreizehn Prozent unserer Gesamtgesundheitsausgaben in Deutschland jährlich dafür für Pulvern unsichere Patientenversorgung zu tolerieren Leute dir auf Intensivstation müssten obwohl sie es gar nicht müssten weil es eine Komplikation gab die vermeidbar wäre Schadenersatzzahlungen, genauso irgendwelche Lohnfortzahlung.
00:30:50: Wir gehen davon aus jede zehnte stationäre Einweisung aus dem häuslichen Umfeld erfolgt weil Patientinnen und Patienten nicht geschult wurden wie sie ihre Medikamente richtig einzunehmen haben.
00:31:01: Jede zehntestationäre Einweisung.
00:31:08: Ja, ich frage meine Studierenden ja auch immer mal so zum Bauchgefühl.
00:31:12: Was denkt ihr denn?
00:31:12: Was ist das ungefähr?
00:31:13: Ungefähr dreizehn Prozent der Gesamtgesundheitsausgaben und natürlich steigen die von Jahr zu Jahr.
00:31:18: Wir sprechen ungefähr von einer Spanne von achtundfünfzig bis siebenundsechzig Milliarden Euro jährlich.
00:31:26: Die D-Donau, die Elbe, den Reihen, den Meinen was auch immer runter fließen vermeidbar werden Und als Gesundheitsökonom gehe ich gar nicht so sehr darauf zu sagen wir müssen sparen Abgesehen davon, dass das natürlich einen Einfluss auf die Beitragssätze der gesetzlichen Krankenversicherung hätte.
00:31:41: Für jeden!
00:31:42: Das wird jeder in seinem Portmonee spüren am Monatsende.
00:31:45: Das andere ist es, wenn wir jetzt mal sagen, wir haben diese ganzen Beiträge – wofür könnten wir denn fünfzig, sechszig, siebzig Milliarden Euro jedes Jahr besser investieren?
00:31:57: Wir hätten keine baufälligen Krankenhäuser, wenn wir jedes Jahr siebzig Milliarden Euro in den Krankenhaus in die Instandhaltung von Krankenhäusern setzen können.
00:32:05: Wir hätten weniger Personal sorgen.
00:32:07: Wir könnten mehr Leute entsprechend einstellen also...
00:32:10: Wir hatten ja auch weniger Patienten deswegen auch wahrscheinlich
00:32:12: weniger Personal.
00:32:12: Ja absolut!
00:32:13: Und zehn Prozent weniger Patienten im stationären Bereich, wenn man dieses Beispiel die Economics of Medication Safety angucken das heißt es würde letzten Endes unglaublich viel den Patienten zurückgegeben, beziehungsweise manche würden gar nicht erst zu Patienten werden.
00:32:26: Es würde die Mitarbeitenden entlasten es würde die Infrastruktur entlastet und wir hätten mehr Geld um das in andere Vorhaben zu setzen.
00:32:33: allein wenn wir uns jetzt mal angucken was es kosten wird das Gesundheitswesen im Rahmen der globalen Erwärmung klimatauglich zu machen also normales Patientenzimmer hat ja keine Klimaanlage der OP oder Die Intensivstationen mag klimatisiert sein, aber die normalen Patienten sind mal zum Beispiel nicht.
00:32:50: Und dass wir allein in bauliche Maßnahmen entweder mit aktiver Kühlung oder passiven Maßnahmen hineinstecken müssen in unsere Krankenhäuser.
00:32:56: da könnten wir diese fünfzig, sechszig, siebzig Milliarden Euro mehr als gut gebrauchen.
00:33:02: und das ist jetzt eine volkswirtschaftliche Berechnung wo man ehrlicherweise sagen muss kein Geschäftsführer eines Krankenhauses wird dadurch mehr in seinem Säckel haben weil ja unser System erst einmal so ist wie es ist und leider Gottes unser System darauf ausgebaut den Status quo zu halten.
00:33:16: Das ist so ein bisschen wie bei Mikado, wer sich zuerst bewegt hat verloren.
00:33:23: wobei man sagen muss wenn man gemeinsam bestimmte Sachen die auch seit Jahrzehnten bekannt sind also das sind keine Geheimnisse mehr Sektorengrenzen überwinden andere Dinge machen eher am Patienten nutzen Prävention stärken Also es sind alles eigentlich alte Hüte.
00:33:35: Wenn man das konsequent angehen würde dann könnte man diese frei werden in Ressourcen tatsächlich besser nutzen.
00:33:41: Wenn wir uns eben angucken, dass wir alle älter werden.
00:33:43: Dass auch Fachkräftemangel immer stärker wird.
00:33:46: Dass wir immer weiter auf dem Globus gucken müssen noch Fachkräfte zu rekrutieren damit unser System noch irgendwie aufrechterhaltbar ist.
00:33:54: Dann ist das eben tatsächlich so, dass man sagen muss Patientensicherheit ist keine kein Kostenfaktor.
00:34:00: Patientensichheit ist eine Investition mit extrem hoher Rendite.
00:34:05: und diese Rendite tatsächlich jetzt zu heben und zu sagen Wir müssen da jetzt ran gehen Wir müssen das jetzt entsprechend nicht nur aus medizinischen Gründen, aus ethischen Gründe sowieso sondern auch aus ökonomischem Gründen machen.
00:34:17: Da wird es jetzt wirklich höchste Zeit und ich bin verhalten optimistisch aber es ist irgendwann wird der Druck so groß werden dass man nicht mehr anders kann wobei man sagen muss damit sich eine Branche von einer Risikokultur zu einer Sicherheitskultur entwickelt.
00:34:32: das dauert Jahrzehnte.
00:34:33: Der Luftfall war es in den Seventies auch noch so dass da genug Piloten gab die sich auf die Brust geklopft haben und gesagt haben wir runter kommen sie alle wieder.
00:34:40: Und man hat dann wirklich Jahre und Jahrzehnte mit intensiven Training, aber auch durchaus der Tatsache sich von dem ein oder anderen trennen zu müssen wenn das einfach vom Mindset nicht gepasst hat, hat man diese Branche tatsächlich in einen Hochzuverlässigkeitsbereich hineingebracht.
00:34:53: Aber mit hohen Aufwendungen, hohe Anstrengung und nicht von heute auf morgen.
00:34:57: Gesundheitswesen ist wesentlich komplexer als die Fliegerei hatten wir schon gesagt.
00:35:01: Wir starten ja erst ab mindestens recht im Triebwerksbrand oder wenn alle Triebewerke brennen versuchen wir den Vogeln hochzubekommen.
00:35:07: Das heißt es wird länger dauern, aber wir haben uns jetzt schon zwanzig Jahre auf den Weg gemacht.
00:35:12: meine persönliche private Hoffnung ist dass wenn ich mal alt und klapprig bin und Patient werde mit dem Hoverboard-Rollator hier um die Ecke kommen, dass dann bestimmte Maßnahmen gegriffen haben.
00:35:24: Was der erste Arzt
00:35:25: gelernt hat wie man sich die Hände desinfiziert?
00:35:26: Ja es können schon ganz viele Ärztinnen und Ärzte aber ich sage mal so das ist der letzte Verlerntheit zu sagen Ich habe das einmal gelernt ich kann das.
00:35:36: oder ach Hände Desinfektion ist was für weiche Eier Was steril war, bleibt sterile auch wenn es zu Boden fiel.
00:35:44: Solche Sätze möchte ich da natürlich nicht mehr hören und ehrlicherweise muss man sich sagen... Das muss ich jetzt mal selbstkritisch als ehemalige klinische Arzt sagen der mittlerweile ja auch noch ganz anders auf seine eigene Tätigkeit blickt.
00:35:55: früher oder später werden wir alle Patientinnen und Patienten das heißt alles was wir machen hat sicherlich einen persönlichen Nutzen für uns.
00:36:04: Es gibt mittlerweile noch einen viel größeren zweiten Nutzen.
00:36:08: Da werden wir dann gleich beim Thema Second Victim drüber reden.
00:36:12: Denn früher hat man so gesagt Piloten sind sicherer als Ärzte, weil wenn das Flugzeug abstößt, stürzt sie ja mit ab.
00:36:19: Das tun Ärzten nicht und dieser Eindruck können wir mittlerweile ganz gut widersprechen, wenn wir unsere Second Victimsphänomen angucken.
00:36:28: Die Frage was bringt mir das?
00:36:29: Wenn ich eine Checkliste mache die kann man ganz leicht beantworten es ist bringt auch etwas für deine eigene Sicherheit Das sozusagen jetzt anzugehen, das ist momentan mein Hauptforschungs- und Handlungsfeld.
00:36:41: Weil ich glaube dass man damit eben auch wirklich schafft.
00:36:43: viele viele Kolleginnen und Kollegen nicht nur hier oben zu überzeugen sondern es ja aus dem Kopf muss es sozusagen ins Herz kommen.
00:36:52: Und das ist sicherlich ein Punkt der besser wirkt als mit Strafe zu drohen oder mit Ja aber da gibt's eine Richtlinie dazu.
00:37:01: Es geht letztendlich darum, wie ich mich fühle, wenn ich jeden Morgen aufstehe und in den Badezimmerspiegel gucke.
00:37:06: Und das ist etwas was hier entschieden wird und nicht hier.
00:37:09: Das ist glaube ich aber auch der wirksamere Weg Menschen davon zu überzeugen dass es nicht eine lästige Pflicht ist sondern dass es wirklich ne Herzensangelegenheit sein sollte und auch sein kann Patientensicherheit zu betreiben.
00:37:20: Meine eigene Vita hat mich da bestärkt.
00:37:23: Ich habe manche Patienten Sicherheitsmaßnahmen rigoros eingesetzt bei jedem Patienten auch bei denen die sie nicht gebraucht haben.
00:37:29: Drei Wochen, bevor ich aufgehört hab, klinisch tätig zu werden.
00:37:32: Hatt ich meine Cannot Ventilate-Cannot Intubate Situation und nur weil ich wirklich pedantisch jeden Patienten präoxygeniert habe auch wo mich einige schon ausgelacht haben so nach dem Alter den Kriegst du doch locker intubiert ist die Patientin bei der man es nicht angesehen hat dass das passieren wird nach sieben Minuten wieder aufgewacht auf natürlichem Wege mit einer normalen Sättigung.
00:37:51: Ja mein Blutdruck war sicherlich bei zweihundert und mein Puls bei zweieinhalb vierzig aber die Patientinnen hat's gut überlebt und ohne irgendeinen Schaden.
00:37:59: Man muss ehrlicherweise sagen, acht und ein halb Jahre lang penibel jeden Tag dasselbe Sicherheitsmerkmal zu machen.
00:38:05: Hat mir drei Wochen vor Ende meiner anesthesiologischen Karriere im wahrsten Sinne des Wortes den Hintern gerettet.
00:38:11: Ich spreche gar nicht so sehr von juristischem Komplikationen die gehen vergleichsweise schnell wieder weg sondern ich spreche von dem Menschen der mir morgens im Badezimmer Spiegel begegnet und denen ich da angucken muss und denen auch noch gerne angucken.
00:38:27: Es geht nicht nur darum, dass andere einem dann Fehler verzeihen oder das juristisch aufgearbeitet wird.
00:38:31: Es geht darum, ich mir selber das Verzeihen muss und ich muss ganz ehrlich sagen Ich bin damit einen großen Schrecken sozusagen davon gekommen aber habe mich bestätigt gesehen darin, dass es gut war Das zu machen und kann so eine Geschichte natürlich auch noch allen Kolleginnen und Kollegen weitergeben Damit die entsprechend selber nicht in diese Falle tappen.
00:38:49: also auch dieses Lernen Von Fehlern, Lernen von Beinaheschäden.
00:38:54: Von anderen kann unglaublich gut helfen sensibilisiert zu sein weil wir Menschen sind deswegen heute hier und haben das alles überlebt weil wir nicht jeden Fehler selber machen müssen.
00:39:04: Wir müssen nicht alle den weißen knallen Blätterpilz probieren um zu wissen dass es keine gute Idee ist.
00:39:09: Wir müssten nicht bei alle bei Rot über die Ampel gehen wenn der Lkw kommt weil wir antizipieren können.
00:39:13: ja dass das keine gute Ideas.
00:39:16: solche Geschichten können eben auch helfen zu sehen okay Da ist beinahe was schiefgegangen oder da ist etwas katastrophalschief gegangen.
00:39:23: Ich mache diesen Fehler nicht mehr und ich lege Wert darauf, das Sohn so zu tun damit wir eben aus diesen Schicksalen lernen können.
00:39:32: Das ist auch die beste Möglichkeit wenn wir über geschädigte Patientinnen und Patienten und deren Angehörige reden die beste möglichkeit deren Andenken zu wahren indem wir zumindest einen Dienst tun können nämlich aus diesen Fehlern zu lernen.
00:39:45: um das System sicherer und besser zu machen haben mir auch schon Angehörige von Patienten berichtet, mit denen ich gesprochen habe.
00:39:51: Dass das sozusagen ... Das ist was sie am meisten tröstet!
00:39:54: Sie kriegen ihren Liebsten nicht wieder.
00:39:57: Ja?
00:39:57: So gerne sie das hätten... Aber zumindest zu wissen dass jetzt andere Familien sicherer sind und dieser Fehler hoffentlich nicht noch einmal sich wiederholt und andere vor Leid bewahrt.
00:40:10: Das ist etwas wo mir einer gesagt hat, das ist das was mir jeden Morgen die Kraft gibt aufzustehen Und das ist, denke ich, was wir wirklich auch schuldig sind und wo wir wirklich viel Gutes tun können.
00:40:23: Weswegen ich eben auch nach wie vor sage als Professor für Patientensicherheit – Ich sehe mich nach wie Vor als Arzt und nicht als Primär- als Hochschullehrer der ich jetzt bin sondern wirklich ärztlich tätig um eben zu helfen dort vielen Menschen zu helfen dass sie nicht dasselbe erleiden müssen was andere vor ihnen erlitten haben.
00:40:42: Schöne gesagt,
00:40:42: der Abschluss Credo.
00:40:45: Wir sprechen in Folge zwei auch über diese ganze Sekte im Betrachtung.
00:40:48: Ich glaube das wird auch bei den Zugereien hoffentlich nochmal so ein bisschen die innere Einstellung in Gang setzen und dass auch was sie sagten.
00:40:55: Das haben wir jetzt auch mit ein paar Betroffenen gesprochen und auch mit der OP-Flege und alle berichten halt, dass es so dieses eine Aha-Erlebnis, da ist fast etwas schief gegangen oder da ist was schiefgegangen
00:41:08: war,
00:41:10: in die Richtung gebracht haben, da auch nochmal ganz anders drüber nachzudenken.
00:41:14: Sei es eine Fast Verwechslung der Seite oder sei es ein Vorfall den wir gehört haben wo was eigentlich in die Magensonde sollte und in die Blutbahn geraten ist und da fast grundsätzlich etwas schief gegangen.
00:41:24: also so dieses Bewegen irgendwo im Herzen und in der inneren Einstellung.
00:41:28: Ich glaube auch das ist ein ganz ganz wichtiger Schritt.
00:41:30: Immer Nachbuf ne?
00:41:32: Und dann kommt
00:41:32: das
00:41:33: davor dass es gar nicht fast passiert oder passiert.
00:41:35: Also ich bin auch passiert wirklich gar nichts Im Studium, so in Richtung Risiko.
00:41:41: Wenn Sie das erst mal auf den Patienten treffen...
00:41:44: Also das erste Mal Hände desinfizieren musste ich im Pflegepraktikum.
00:41:47: Das war noch vor dem Medizinstudium.
00:41:49: Einarbeitung null.
00:41:50: Erste scharfe spitze Gegenstand habe ich da auch im Pflegepraktikum entsorgt.
00:41:54: Keiner Bescheid gesagt.
00:41:56: Ich selber hatte in meiner Ausbildung exakt null Minuten Qualitätsmanagement und Patienten Sicherheit, eine Ausbildung mal von der ersten Stunde dieses Kollegen das ich beschrieben habe abgesehen.
00:42:05: Das war sozusagen mein AHA-Erlebnis und zum Glück war es in der ersten stunde meines Studiums.
00:42:10: Ich hab auch nebenbei ehrlicherweise neben meinem Medizinstudium noch eine Rettungsanitäterausbildung gemacht.
00:42:15: Auch noch?
00:42:16: Ja... Und bin eben auch Selbstrettungsdienst gefahren.
00:42:22: Auch da sehen sieht man natürlich entsprechend Dinge und auch da ist man natürlich anders sensibilisiert, weil man weiß wenn man dann Fehler macht, kann es der letzte Fehler sein für den Patienten.
00:42:32: Ich habe zwischendurch als ich dann Stabstellenleiter in Frankfurt war tatsächlich die Ausbildung für Frankfurter Medizinstudierende übernommen.
00:42:39: das waren forty-fünf Minuten Qualität und forty fünf Minuten Patientensicherheit.
00:42:43: Es ist immer noch wenig aber es ist zumindest etwas was wir mittlerweile auch wissen dass tatsächlich schon im Medizinstudium Dinge passieren und auch im Medizinstudium Studierende abspringen, weil sie in bestimmte Situationen unvorbereitet hineinkommen.
00:42:59: Und dann noch eine Zahl zum Schluss wenn man sich überlegt so ein Medizinstudium kostet den deutschen Steuerzahler zweihundertfünfzigtausend Euro pro ausgebildete Ärztin oder Ausgebildeten Arztes Steuergeld.
00:43:10: was investiert wird in diese Menschen?
00:43:14: Wir haben eine Ärzte-Mangel
00:43:15: nach.
00:43:15: Und wir haben natürlich ein Ärztermangel.
00:43:17: und jetzt stelle man sich vor, dass Leute irgendwie nach neun, zehn, elf Semestern ... Ein solches schicksalhaftes Ereignis oder ein solches dramatisches Eregnis ... Schicksalhaft will ich es vielleicht gar nicht nennen.
00:43:27: Dramatisches Eereignis erleben und dann aufhören mit dem Studium.
00:43:30: Oder nach zwölf Semester Medizinstudium oder nach Ihrem Staatsexamen sagen... Nee!
00:43:35: Ich mach was anderes.
00:43:36: Nee, ich mach was Anderes Ja?
00:43:39: Dann muss man sich überlegen Wie viel man da investiert hat und was für ein Wert dann verloren geht der Gesellschaft, wenn die sagen ich schmeiß hin.
00:43:48: Wir behandeln momentan unser Personal nicht so als wäre es ein sauteurer Sportwagen.
00:43:54: den fahre ich ja auch nicht im ersten Gang über die Autobahn sondern den behandel ich sorgsam und pfleglich.
00:44:00: und wenn wir den wert des medizinischen Personals Erkennen auch was eine ausgebildete Pflegekraft nach Fachweiterbildung an ist sie und intensiv.
00:44:08: Was, was wir in die investiert haben?
00:44:10: Was die für uns wert ist.
00:44:11: wenn mir das sozusagen diese Wertschätzung tatsächlich mal rüberbringen würden so wie es in anderen Branchen der Fall ist Dann hätten wir weniger ein Problem.
00:44:18: ich nehme ganz gern als vergleich Fluglotsen zum Beispiel Fluglosen damit zweijährige Ausbildung Koste zweihundert vierzigtausend Euro also fast so viel wie Medizinstudium.
00:44:27: Die deutsche Flugsicherung sagt da Mensch, die kosten uns so viel Geld und wir müssen auch so viele Leute im Auswahlverfahren haben damit wir überhaupt genügend haben.
00:44:34: Die dann qualifiziert sind diesen hoch komplexen Job machen können.
00:44:38: Wir können es uns nicht leisten die nachher in irgendeiner Form zu verheizen oder zu verlieren.
00:44:44: also dieses come-in and burn out was wir erleben in der Pflege aber auch im medizinischen Berufen, wo auch junge Medizinerinnen und Medizine mit anderen Ansprüchen als noch meine Generation hatte.
00:44:56: Die kurz nach der Ärzte Schwämme kamen ja, du hast ein drei Jahresvertrag das ist sehr super die Zeiten haben sich geändert.
00:45:03: wir denen nicht diese Angebote machen und ehrlicherweise allen anderen älteren Kolleginnen Kollegen auch dann sehe ich tatsächlich mit Sorge wie es weitergehen muss weil irgendwann werden wir an den Punkt kommen dass auch mit dem Import ausländischer Pflegekräfte, Ausländische Ärztinnen und Ärzte wir diesen Mangel eben nicht mehr decken können.
00:45:22: Und wir müssen weniger fragen wie kriegen wir noch mehr Leute in das System rein?
00:45:27: Sondern wir müssen fragen wie halten die Leute, die im System sind fit und gesund in dem System dass sie hoffentlich lange glücklich aber auch sicher entsprechend diesen Beruf ausgeben können.
00:45:40: Perfekt!
00:45:41: Dann würde ich sagen, bevor wir jetzt gleich große Frage
00:45:43: stellen.
00:45:43: Kuwait ist Deutschland also wo stehen wir denn?
00:45:45: Jetzt
00:45:45: gerade Sachpatientensicherheit.
00:45:47: Ich glaube das sind
00:45:48: ganz, ganz große Fakte wo wir dann auch rein.
00:45:49: Also sie haben es jetzt schon ein paar Mal angesprochen im Vergleich zu anderen.
00:45:52: Da stehen wir
00:45:53: ähnlich da.
00:45:54: Würde ich sagen mal mal kurz das Päuschen und schaden.
00:45:56: dann gleich wieder mit Zahlen und Fakten rein
00:45:58: sehr gerne.
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